Beta von Fedora 22 angetestet

Auch wenn ich mich in den letzten Jahren viel mit Ubuntu auseinandergesetzt habe, verfolgte ich immer die Entwicklung von Fedora.

Fedora ist die Grundlage und gleichzeitig die Community-Version von Red Hat, eines der stabilsten „Linuxe“ und sehr beliebt bei großen Unternehmen. Red Hat war das erste Linux, welches ich wirklich produktiv eingesetzt habe, nachdem ich meine ersten und zugegebenermaßen frustrierenden Schritte mit SUSE begann. Der Frust basierte aber (um ehrlich zu sein) nicht auf SUSE sondern auf meinen mangelnden Linux-Kenntnissen in den Neunziger Jahren des letzten Jahrtausends… Mein Gott, bin ich alt geworden 😉

Zurück zum Thema… Vor ein paar Tagen ist die Beta der neuesten Fedora-Version 22 erschienen und ich konnte es mir nicht nehmen lassen, mal einen Blick hineinzuwerfen.

GNOME 3.16
Fedora 22 – Der Desktop mit der GNOME-typischen Programmübersicht

Fedora ist bekannt und berüchtigt dafür, gerne alte Zöpfe abzuschneiden und die neusten Programmpakete zu integrieren. So hat diese Linux-Distribution den Ruf, nur etwas für fortgeschrittene Anwender zu sein. So ist es kein Wunder, dass unter anderem sowohl das neue „Startsystem“ SystemD, erste Ansätze von Wayland, der aktuelle Linux-Kernel 4.0 und das neueste GNOME 3.16 bereits integriert ist.

Nach der Installation scheiterte der erste Aufruf der Systemaktualisierung, da in der Beta die Integration des ebenfalls neuen Paketmanagers dnf noch fehlerbehaftet war. Durch einen Aufruf des Terminals und der Eingabe von

sudo dnf check-update

und

sudo dnf upgrade

war dieses Problem allerdings bereits behoben; die Aktualisierung gelang danach auch über die Software-Verwaltung reibungslos.

GNOME 3.16
GNOME macht in der neuesten Version große Fortschritte mit stark weiterentwickelten Programmen.

Die neue GNOME-Version hat es mir besonders angetan. Die in den letzten Jahren stattfindende Erweiterung um praktische Programme wie Karten und Wetter macht wirklich Sinn und die gelungene Integration von Online-Konten wie Google klappt – im Vergleich zu Ubuntu – relativ problemlos. Es stört mich bei Ubuntu seit geraumer Zeit, dass die Integration von Kalenderdaten entweder instabil oder beispielsweise eine Kontakteverwaltung mit den integrierten Programmen überhaupt nicht möglich ist. Fedora zeigt, dass es auch anders und besser geht!

Benachrichtigungen bei GNOME 3.16
GNOME macht optisch leichte Fortschritte und hat eine neue Verwaltung von Benachrichtigungen an Bord.

Die GNOME-Entwickler haben augenscheinlich viel Arbeit in die neuen Benachrichtigungen gesteckt und es hat sich gelohnt. Gerade bei der Verwendung von mehreren virtuellen Desktops ist es sehr praktisch, dass man bei der Arbeit auf einem der Desktops benachrichtigt wird, sobald ein Job auf einem anderen Desktop abgearbeitet wurde. So ist Multitasking sogar für Männer möglich 😉

Mit den neuen Benachrichtungen verliert man bei Multitasking nicht den Überblick.
Mit den neuen Benachrichtungen verliert man bei Multitasking nicht den Überblick.

Seit der GNOME-Version 3.x haben einige neue Programme Einzug gehalten, die vom Funktionsumfang manchmal leider noch nicht ausreichend sind und daher standardmäßig nicht installiert werden. Dies ist aber leicht über das Software-Center nachzuholen. Zu diesen Programmen gehören Musik, Fotos und Kalender. Sie sind allesamt manchmal noch etwas zu simpel, aber die bereits in der Entwicklung befindlichen Funktionen lassen auf die nächste Version Ende des Jahres hoffen. Dennoch sind sie bereits funktionell zu verwenden und entsprechen bestimmt jetzt schon bereits vielen Anwendern. Mir persönlich fehlt zurzeit noch die Möglichkeit weitere Kalender zu verwalten oder Pfade zu bestimmten Bilderordnern einzugeben.

Die neuen Programme "Fotos" und "Musik" benötigen noch etwas Feinschliff.
Die neuen Programme „Fotos“ und „Kalender“ benötigen noch etwas Feinschliff.

Das bereits genannte Software-Center gefällt mir wesentlich besser als das gleichnamige Programm von Ubuntu. Letzteres wird seit einiger Zeit anscheinend leider eher stockend weiterentwickelt.

Schlicht und funktionell - das GNOME-Software-Center
Schlicht und funktionell – das GNOME-Software-Center

Sehr schön ist aber auch „Boxen“, ein Programm zur – im wahrsten Sinne des Wortes – einfachen Virtualisierung und zur Anzeige von entfernten Rechnern. So sehr auch das einfache Einrichten von virtuellen Maschinen begeistern kann; ein Ersatz für beispielsweise VirtualBox kann es nicht sein. Zur Anzeige von entfernten Rechnern reicht es in der Regel aber aus.

Boxen
Boxen zur einfachen Installation virtueller Maschinen

Das Starten und Herunterfahren des Systems geht (wahrscheinlich hauptsächlich dank SystemD) wesentlich schneller als dies beispielsweise bei Ubuntu der Fall ist und ich habe positiv zur Kenntnis genommen, dass der Standby dank des neuen Kernels auf meiner Hardware fehlerfrei funktioniert.

Die Beta von Fedora 22 läuft bereits sehr stabil und macht definitiv Lust auf mehr! Meines Erachtens hat die vor kurzem vorgenommene Konzentration auf unterschiedliche Einsatzbereiche (Workstation, Server und Cloud) dem Projekt sehr gut getan und für eine fokussierte Stabilität der einzelnen Schwerpunkte gesorgt. Noch nie lief eine Fedora-Beta-Version bei mir so reibungslos. Herzlichen Glückwunsch, Fedora!