Impressionen vom neuen Gnome 3.17.90 in Fedora 23

Obwohl es noch einige Zeit dauern wird, bis Fedora 23 veröffentlicht wird, möchte ich dennoch schon einmal einen kleinen Vorgeschmack präsentieren. Vor wenigen Tagen wurde die Alpha-Version veröffentlicht und es ist wohl kein großes Geheimnis, dass die Version 23 in technischer Hinsicht eine Weiterentwicklung der in Fedora 22 eingeführten Neuerungen ist. Auf die technischen Neuerungen gehe ich demnächst in einem gesonderten Artikel ein.

Das Herzstück von Fedora ist neben der aktuellen technischen Linux-Basis sicherlich die Desktop-Umgebung Gnome. Und genau diese entwickelt sich permanent weiter. Im Gegensatz zu dem scheinbar augenblicklichen Stillstand bei Ubuntus Unity (die eigentlich nur eine Shell für Gnome ist), macht es bei dem „reinen Gnome“ richtig Spaß die Entwicklung zu verfolgen.

Die Gnome-Programmauswahl
Die Gnome-Programmauswahl

 

Die hier vorgestellten Änderungen sind eine zugegebenermaßen sehr subjektive Auswahl und stellen nur einen kleinen Ausschnitt dar. Die Veränderungen liegen im Detail, aber gerade diese Liebe zum Detail macht Gnome inzwischen wieder zu meinem Favoriten. Als die neue Oberfläche vor einigen Jahren komplett umgekrempelt wurde, stand ich dem sehr skeptisch gegenüber. Das neue Bedienkonzept war zwar überaus interessant, aber viele kleine Dinge verhagelten mir die Freude daran. Dies hat sich in den letzten Jahren und gerade in den letzten beiden Versionen deutlich geändert.

Die umfassende Suchfunktion
Die integrierte Suche bedient sich einer Vielzahl von Quellen

 

Gnome hat einige Funktionen integriert, die dem Benutzer das Leben erheblich vereinfachen können. So schätze ich die Möglichkeit sehr, dass mit einem Tastendruck (die Super- oder Windows-Taste) eine Übersicht aller installierten Programme erhält. Gleichzeitig erhalten Sie so aber auch Zugang zu der umfassenden Suche in Gnome. Tippen Sie den gewünschten Suchbegriff ein, so werden live nicht nur installierte und verfügbare Programme sondern auch Kontakte, Dateien und Orte durchsucht. So praktisch und schnell erreichbar kann eine Suche sein! Lediglich auf Suchergebnisse aus dem Internet muss man (noch) verzichten.

 

Programme

Der Dateimanager Nautilus wird ein Stück weit übersichtlicher in der neuen Gnome-version. Um eine ausufernde Seitenleiste zu verhindern, wurde eine neue Verknüpfung hinzugefügt, die eine Übersicht aller zusätzlichen Orte anbietet (siehe Bild). Noch fehlt die deutsche Übersetzung für dieses neue Feature, aber es ist ja noch eine Alpha…

Neue Verknüpfung in Nautilus
Die neue Verknüpfung in Nautilus

 

Die Bedienung wird ebenfalls konsistenter. Ich habe beispielsweise als erstes in Nautilus immer die Darstellung der Ordner und Dateien verkleinert, da sie mir standardmäßig viel zu groß sind. Musste ich bisher die Größe in den Einstellungen festlegen, merkt sich Nautilus jetzt endlich die Vergrößerungsstufe des Schiebereglers (siehe Bild).

Nautilus merkt sich endlich die Position des Schiebereglers
Nautilus merkt sich endlich die Position des Schiebereglers

 

Ich habe bei der Installation die „Gnome-Karten“ vermisst. Dieses Programm basiert auf den (offenen) Karten von OpenStreetMap und ist die virtuelle Alternative zum alten Diercke-Weltatlas aus der Schule. Kennt den eigentlich noch jemand? 😉 Allerdings ist das Programm mehr als ein Weltatlas; es stellt eine komplett auf Open-Source basierende Navigationslösung dar! Leider gibt es immer noch keine Möglichkeit, die Routenplanung direkt auszudrucken und da ich ungern meine Workstation mit mir rumschleppe, greife ich mobil dann doch lieber auf andere Lösungen zurück.

Karten - Fedora 23
Karten – mehr als ein Weltatlas

 

Dennoch überzeugt die Qualität des Programms. Es lässt sich endlich flüssig bedienen und die OpenStreetMap-Karten sehen fantastisch aus. Leider gilt dies nicht für die Satellitenaufnahmen, aber das ist ein anderes Thema…

Kommen wir zum nächsten Programm, welches ich exzessiv nutze: Gedit. Ich nutze Gedit für alle Programmierungen und sogar für das Schreiben meiner Bücher mit LaTEX. Es mag nicht ganz so bequem sein wie andere Editoren, aber ich weiß gerade die Einfachheit zu schätzen und ich arbeite gerne mit Quelltexten. In der neuesten Version sind zwei kleine praktische Features hinzugekommen. Zu einen kann man sich jetzt ein Raster einblenden lassen, welches das Lesen bei langen Zeilen deutlich weniger mühsam macht. Zum anderen können Sie sich eine Übersichtskarte Ihrer Textdatei anzeigen lassen. So wird es bei überaus langen Texten sehr viel schwieriger die Orientierung zu verlieren 😉

Raster und Übersichtskarte
Raster und Übersichtskarte erleichtern die Bedienung bei Gedit

 

Es gibt selbstverständlich noch weitaus mehr Änderungen kleiner Natur. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich hier versuchen würde, eine umfassende Übersicht zu erstellen. Neugierig verfolge ich gerade die Entwicklungen der relativ neuen Programme Calendar, Musik und Fotos. Allen diesen Programmen fehlen noch wichtige aber für die Zukunft versprochene Funktionen.

Wetter und Videos
Videos hat deutlich an Geschwindigkeit gewonnen und kann jetzt problemlos lokale Dateien durchsuchen

 

Es sind alles nur kleine Verbesserungen, die derzeit in die Entwicklung der Oberfläche einfließen, aber an dem grundlegenden Konzept muss man meiner meinung nach derzeit auch nicht viel ändern. Ich könnte mir sogar eine Gnome-Version für Smartphones und Tablets mit diesem Konzept vorstellen, aber dies wird wohl vorerst Wunschdenken bleiben. Canonicals Unity ist auf jeden Fall nicht die einzige Art, einen konvergenten Desktop für verschiedene Geräte zu gestalten.