Fedora oder Ubuntu… eine Gewissensfrage?

Fedora oder Ubuntu?

Ich möchte Ihnen einige ganz persönliche Bemerkungen mitteilen, damit Sie wissen, worauf Sie sich meiner Meinung nach einlassen, wenn Sie Fedora eine echte Chance geben möchten. Hierbei möchte ich gerade auf den Vergleich mit Ubuntu eingehen und zwar zum einen, weil ich mich mit Ubuntu einigermaßen gut auskenne und zum anderen weil Ubuntu sich inzwischen zum „Standard-Einsteiger-Linux“ entwickelt hat. Man kann darüber denken was man will, aber man muss eingestehen, dass Ubuntu der GNU/Linux-Gemeinde teilweise einen großen Dienst erwiesen hat. Ubuntu hat es geschafft, dass viele Windows-Nutzer den Umstieg auf ein Linux-System geschafft haben oder sich zumindest damit auseinandersetzen.

Ich bin bei weitem nicht mit allen Entscheidungen von Canonical (der Firma hinter Ubuntu) einverstanden, aber Ubuntu hat etwas geschafft, was die anderen bis dahin nicht geschafft haben: ein einfach zu installierendes und konfigurierendes System und eine überaus freundliche Gemeinschaft von Anwendern. Diese Ausrichtung auf Einsteiger verdient Respekt und ich habe bemerkt, dass diese Entwicklung auch Einfluss auf andere Software-Projekte hat. Ich beobachte seit längerem Apple-artige Tendenzen: Man kann auch von Apple nicht viel halten, aber ich bin froh, dass wir beispielsweise nicht mehr diese grau-beigen Gehäuse aus den 90er-Jahren unter dem Schreibtisch stehen haben… Zwar hätten wir auch ohne diese Firma alleine aus Konkurrenzgründen eine Designvielfalt bekommen, aber durch den Erfolg von Apple haben viele Hersteller erst begriffen, dass den Kunden auch das Design eines Computers wichtig ist. So, genug abgeschweift…

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist dieses Schimpfen mancher Linux-Anwender auf Ubuntu nach dem Motto „Ubuntu ist wie Windows“. Ich halte es generell für sinnvoller, wenn man andere Menschen aufklärt und nicht Distributionen schlecht redet, denn: „Aufklärung ist stärker als Kampf!“ Wer mit Ubuntu nicht mehr einverstanden ist oder dem System entwachsen ist, für den gibt es sehr viele Alternativen. Eine davon ist Fedora!

Fedora vermittelt im Vergleich zu Ubuntu einen direkteren Zugang zu der Open-Source-Welt. Aus verschiedenen Gründen läuft nicht alles so „rund“ wie bei Ubuntu, aber dafür erhält man das deutlichere GNU/Linux-Feeling. Fedora geht keine Sonderwege wie Canonical dies tut (Stichwort: Unity, Upstart, Snappy, usw.) sondern baut auf großen Open-Source-Projekten auf und integriert diese kompromisslos. Dies macht das System gerade für Puristen sehr interessant und für Nutzer, die konstant am (Open-Source)-Puls der Zeit sein möchten.

Ich bin ganz ehrlich: Fedora begeistert und frustriert mich ein wenig gleichermaßen. Mir nötigt die zugrundeliegende Kompromisslosigkeit viel Respekt ab. Von der Unterstützung großer freier Open-Source-Projekte wie beispielsweise GNOME profitiert das eigentliche GNU/Linux-Projekt mehr als von irgendwie gearteten Sonderwegen, die teilweise auch noch inkonsequent umgesetzt werden. Als Beispiel möchte ich Unity von Canonical nennen. Das Projekt hat einen sehr interessanten Ansatz, aber es ist keine vollwertige Desktop-Umgebung. Auch wenn dies gar nicht das Ziel war und ist, so ärgert mich die fehlerbehaftete Interaktion mit manchen GNOME-Applikationen, für die es kein wirkliches Unity-Pendant gibt. Man denke hier beispielsweise an die bescheidene Integration der Kontakte-Verwaltung oder Online-Konten in Unity. Hiermit tut sich Canonical keinen Gefallen und noch weniger den Benutzern…

Apropos GNOME: ich mag diese Desktop-Umgebung inzwischen sehr. Gerade in letzter Zeit hat sich das Projekt in eine überaus positive Richtung entwickelt. Das System wird optisch und technisch immer harmonischer. Der Frust hingegen liegt zum größten Teil daran, dass man das riesige Potential dieses Systems zum Greifen nah vor sich hat, kleinere Fehler aber den Spaß verderben können. Aber gerade dieses „Unperfekte“ macht das System wiederum sympathisch, zumindest für mich 😉

Ich könnte mich noch seitenweise über die verschiedenen Ausrichtungen von Ubuntu und Fedora ausbreiten, aber ich denke, es ist klar geworden, was ich meine und worin sich die beiden Distributionen unterscheiden. Also viel Spaß… mit beiden!