Erste Schritte mit Fedora 24

Diese Woche ist Fedora 24 erschienen und wie es bei Fedora (fast) üblich ist, wurde auch diese Version mit einer kleinen Verzögerung veröffentlicht. In letzter Sekunde hatte sich noch ein Fehler eingeschlichen, der eine Installation auf modernen UEFI-System verhinderte. Nachdem das Problem behoben wurde, möchte ich Ihnen nachfolgend meine bisherigen Erfahrungen mit der neuesten Fedora-Version mitteilen und einige Tipps geben, wie Sie das System den eigenen Wünschen anpassen können.

Fedora 24 - Das GNOME-Menü
Fedora 24 – Das GNOME-Menü

 

Das Fedora-Projekt wurde  2014 grundlegend reformiert und wird seitdem in die drei Entwicklungszweige Workstation, Server und Cloud unterteilt. Diese sogenannte Fedora.Next-Initiative hatte das grundlegende Ziel, die einzelnen Versionen hinsichtlicht ihrer Stabilität und Benutzerfreundlichkeit zu optimieren. Einzelne Techniken sollen erst integriert werden, wenn sie einen gewissen Grad an Stabilität erreicht haben und nicht wenn sie (wie vorher üblich) lediglich „fertig“ sind. Zusammenfassen kann man mit Recht behaupten, dass diese Neuaurichtung des Projekts überaus erfolgreich umgesetzt wurde. Fedora ist in den letzten Versionen deutlich reifer geworden.

 

Meine kleine Fedora-Geschichte

Mich persönlich hatte Fedora seit der Gründung dieser Distribution überzeugt. Von 2003 bis Anfang 2005 war ich überwiegend Fedora-Nutzer. Dann allerdings erschien Ubuntu und deren Philosophie brachte mich zu einem Wechsel der Distribution. Ich habe Fedora dennoch parallel weiter verfolgt und regelmäßig in neue Versionen hinein geschnuppert. Dennoch war Ubuntu immer das stabilere und leichter zu konfigurierende System, sodass ich immer wieder zu Ubuntu zurückkehrte. In den letzten Jahren nutze ich aufgrund der riesigen Fortschritte von Fedora beide Distributionen parallel. Beide Distributionen haben ihre Vor- und Nachteile: So eignet sich Fedora insbesondere für Anwender, die gerne die neuesten Linux-Techniken nutzen möchten. Ubuntu hingegen punktet gerade durch die LTS-Versionen, die den Anwendern fünf Jahre Kontinuität bieten.

 

Neues in Fedora 24

Die Fedora.Next-Initiative und die damit einhergehende Ausrichtung auf Stabilität führt dazu, dass die Implementierung des Desktop-Servers Wayland (Nachfolger von X.org) zu einem ähnlich zähen Projekt wie Mir bei Ubuntu wird, welches sich das gleiche Ziel auf die Fahnen geschrieben hat. Die Komplexität einer solchen Integration führt bei beiden Projekten dazu, dass trotz zahlreicher Ankündigungen dieser Austasch immer noch nicht vorgenommen wurde. Hoffentlich entwickelt sich hier kein „running gag“…

Selbstverständlich besitzt Fedora den aktuellen Stand von GNOME und damit erhalten Sie unter anderem die relativ neuen Programme wie Karten, Musik, ToDo oder Kalender in den neuesten Versionen. Das neue Entwicklungsmodell führt zu einer deutlich gestiegenen Qualität der einzelnen Anwendungen.

Nach der Installation fällt die Standard-Schriftart Cantarell ins Auge, bei der jetzt endlich das „Hinting“ standardmäßig eingeschaltet ist. Dies sorgt für eine deutlich bessere Anpassung an verschiedene Monitore und Auflösungen, sodass die Schrift klarer und schärfer dargestellt wird.

Der Dateimanager Nautilus wurde in einem kleinen aber wichtigen Punkt hervorragend weiterentwickelt. So kann man die Suchfunktion jetzt deutlich effizienter nutzen. Sie können bei der Suche die Suchergebnisse nach Dateityp und Zeit filtern.

Die Suche in Nautilus
Die Suche in Nautilus

 

Daneben gibt es einiges Neues in der Softwareverwaltung. So ist es jetzt möglich, ein grafisches Upgrade von Fedora 23 auf 24 direkt aus GNOME Software heraus durchzuführen. Des Weiteren wurden die Flatpaks integriert, die ähnlich wie Ubuntus Snap-Pakete eine weitgehend vom Betriebssystem unabhängige Installation von Programmen ermöglichen.

Unter der Haube hat sich ebenfalls einiges getan. GlibC unterstützt mit der Version 2.23 endlich Unicode 8 und die C-Compiler haben das Upgrade auf GCC6 vollzogen, Mono ist auf 4.2 aktualisiert und Python auf 3.5. Selbstverständlich ist dies nur eine recht willkürliche Auswahl an erwähnten Neuerungen. Mehr erfahren Sie in den offiziellen Release Notes im Fedora-Magazin.

 

Aktualisierungen

Apropos Kontinuität: Fedora erscheint alle sechs Monate in einer neuen Version. Dies bedeutet allerdings nicht, dass innerhalb dieser sechs Monate lediglich Sicherheitsaktalisierungen erscheinen so wie es bei Ubuntu der Fall ist. Fedora bleibt immer „bleeding edge“. So besteht der erste Schritt nach der Installation im Einspielen einer Vielzahl von Aktualisierungen. Sie können für diesen Zweck das Programm GNOME Software nutzen, wobei dann unverständlicherweise immer ein Neustart fällig wird… auch wenn die Aktalisierungen diesen teilweise überhaupt nicht benötigen. Aus diesem Grund nutze ich lieber das Terminal:

sudo dnf clean metadata

sudo dnf upgrade

Sprachunterstützung in LibreOffice 5.1

Trotz richtiger Sprachauswahl bei der Installation ist LibreOffice standardmäßig in englicher Sprache. Die Lokalisation lässt sich aber durch die Installation des korrekten Sprachpakets schnell nachholen:

sudo dnf install libreoffice-langpack-de

 

Paketquellen für Multimedia

Fedora ist von Haus aus sehr streng, wenn es um lizensierte Codecs gibt und es ist oftmals leider etwas umständlich in den vollen Genuss moderner Multimedia-Unterstützung zu kommen. Um mit Fedora einigermaßen leicht Multimedia-Dateien genießen zu können, empfiehlt sich unter anderem die Installation der RPMFusion-Paketquellen. Installieren sie die folgenden Pakete:

Sie können diese gleich in der Software-App öffnen; die Installation geht dann zügig vonstatten. Alternativ speichern Sie diese Dateien und installieren diese durch einen Doppelklick.

Die Paketquellen von RPMfusion hinzufügen
Die Paketquellen von RPMfusion hinzufügen

 

Da RPMfusion leider (noch) nicht alle Programme auf Fedora 24 portiert hat, habe ich noch die Multimedia-Paketquellen von Simone Caronni integriert:

sudo dnf config-manager --add-repo=http://negativo17.org/repos/fedora-handbrake.repo

Durch diese Paketquellen sind Sie in der Lage, Programme wie VLC oder HandBrake zu nutzen.

 

Musik

Nachdem ich meine umfangreiche MP3-Sammlung in das korrekte Verzeichnis synchronisieren ließ, war die Enttäuschung groß, dass Rhythmbox oder Gnome Musik die Sammlung nicht importieren wollte. Um MP3-Dateien abspielen oder mit Soundconverter konvertieren zu können, habe ich daher folgende Plugins installiert:

gstreamer1-plugins-good-1.8.2-1.fc24.x86_64
gstreamer1-plugins-bad-free-1.8.2-1.fc24.x86_64
gstreamer1-plugins-base-1.8.2-1.fc24.x86_64
gstreamer1-libav-1.8.2-1.fc24.x86_64