LTS Enablement Stacks und Kernel-Upgrade

Mich erreichte eine Leseranfrage bezüglich der Ubuntu-Point-Releases:

Der Leser hat auf seinem Rechner Ubuntu 12.04.5 installiert und erhält mit Erscheinen der Version 14.04.1 auf einmal die Meldung, dass mit der Aktualisierung auf 14.04.1 mehr Hardware unterstützt wird. Diese Meldung verwirrte ihn, da sie nicht erschien, als die Original-Version 14.04 erschien.

Was hat es damit also auf sich? Dazu müssen wir etwas ausholen…

Wie Sie bestimmt wissen, erscheinen die LTS-Versionen alle zwei Jahre, so beispielsweise die Version 12.04 im April 2012 und 14.04 im April 2014. Diese Versionen hatten zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung eine recht aktuelle Hardware-Unterstützung. LTS-Versionen werden aber bevorzugt längerfristig eingesetzt und durch Canonical auch fünf Jahre lang mit Sicherheitsupdates versorgt. Dies führt aber unter Umständen zu einem Problem. Stellen Sie sich vor, dass Sie Ende 2013 einen Rechner gekauft haben und ihn mit einer LTS-Version ausstatten möchten. Zu dem Zeitpunkt blieb Ihnen nur die Wahl die Version 12.04 zu nehmen, die zu dem Zeitpunkt dann allerdings bereits fast zwei Jahre alt war und eventuell Ihre neue Hardware noch nicht unterstützt.

Selbst wenn Sie 12.04 installiert und laufend mit Updates versehen haben, laufen Sie Gefahr, dass beispielsweise der Tausch einer Grafikkarte zu einem Problem führt, da Sie bei normalen Updates lediglich Sicherheitsaktualisierungen erhalten und keine neuen Kernel oder X-Server-Versionen (zuständig für die grafische Oberfläche). Und gerade der Kernel ist es, der viele Treiber enthält.

Die Lösung besteht in den LTS-Enablement Stacks und scheint auf den ersten Blick etwas verwirrend…

Circa alle sechs Monate erscheinen für die LTS-Versionen die sogenannten Point-Releases 14.04.1, 14.04.2 usw. In diesen Versionen ist jeweils ein aktuellerer Kernel enthalten als in der Original-Version 14.04. Bis hierhin ist die Sache noch verständlich. Wenn Sie in den genuss eines neuen Kernels kommen möchten, können Sie nun alle sechs Monate Ihr System neu installieren oder den bereits erwähnten LTS-Enablement-Stack verwenden, indem Sie diesen beispielsweise bei 14.04. manuell über das Terminal installieren:

sudo apt-get install --install-recommends linux-generic-lts-utopic xserver-xorg-lts-utopic libgl1-mesa-glx-lts-utopic libegl1-mesa-drivers-lts-utopic

Für eine Neuinstallation bietet sich natürlich immer die aktuelle Ubuntu-Version an, also beispielsweise die 14.04.2 und nicht die Installation von 14.04 und das beschriebene Update-Procedere.

Richtig verwirrend wird es bei der Betrachtung der Unterstützungszeiträume (siehe folgende Grafik von Canonical):

12.04.x Ubuntu Kernel Support Schedule
Welches Point-Release von 12.04 wird wie lange unterstützt?

 

Bestehende Ubuntu-Installationen mit dem Kernel 3.2 (12.04 und 12.04.1) verbleiben beim ursprünglichen Kernel, der bis zum Ende des Unterstützungszeitraums im April 2017 für 12.04) unterstützt wird. Die Unterstützung für 12.04.2, 12.04.3 und 12.04.4 war dagegen lediglich bis zum 07. August 2014 gewährleistet. Wenn man dann auf die version 12.04.5 aktualisierte (durch Neuinstallation oder LTS Enablement Stack), hatte man wieder die volle Unterstützung bis April 2017. Der Grund besteht darin, dass Canonical nicht alle Kernel-Versionen fünf Jahre lang parallel pflegen kann. Daher wird in 12.04.5 beispielsweise der Kernel aus 14.04 verwendet und die Anzahl der zu pflegenden Kernel verringert sich.

Im Wiki von Ubuntu finden Sie zahlreiche Abbildungen, aus denen Sie die Unterstützungszeiträume ablesen können.